Der Weinorden Pfeddersheim zu Gast im Weingut Finkenauer & Franz im rheinhessischen Bubenheim.
Von Peter Behringer
Die weinkulturelle Spurensuche des Weinorden Pfeddersheim im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ein Weingut stellt sich vor“ führte die Weinfreundinnen und Weinfreunde ins Rheinhessische Bubenheim, zum dort ansässigen Doppelweingut Finkenauer & Franz.
Der Vorsitzende des Weinordens, Werner Gradinger, konnte leider nur 21 erwartungsvolle Gäste und Ordensmitglieder im Bus der Firma Kollerer begrüßen.
Im Weingut angekommen begrüßte der Vertreter desselben die Gäste mit einem Sekt Blanc de Blance brut, Flaschengärung und gab einen informativen Überblick.
Das Doppelweingut bewirtschaftet ca. 40 ha Weinberge, teilweise in Bio Qualität. Der Jahrgang 2024 war der erste biozertifizierter Jahrgang. Der Großteil der Weine, gerade die Orts- und Lagenweine, sind alle biozertifiziert, Ziel sei es, komplett auf Bio umzustellen.
Der Referent erläuterte seinem Publikum, was Bio im Weinberg bedeutet.
Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (wie Pestiziden, Insektiziden) und künstlichen Herbiziden ist streng verboten. Stattdessen nutzen Winzer natürliche Mittel wie Kompost, Kräuterauszüge oder in geringen Mengen erlaubte Naturstoffe wie Kupfer. Durch natürliche Düngung und das Begrünen der Rebzeilen (z. B. mit Klee oder Kräutern) wird der Boden gelockert, mit Nährstoffen versorgt und als Wasserspeicher gestärkt. Bio-Weinberge sind keine sterilen Monokulturen. Blühstreifen, Hecken und Bäume bieten Nützlingen (wie Marienkäfern oder Vögeln) ein Zuhause, die Schädlinge auf natürliche Weise in Schach halten.
Die Gruppe erfuhr einiges über die Sektherstellung. Die Trauben der benötigten Grundweine werden schon sehr früh, in diesem Jahr Ende August, gelesen und dürfen 80° Öchsle nicht überschreiten.
Die Zeit ab der Blüte bis zur Ernte wird infolge des Klimawandels immer kürzer. Die immer länger dauernde Trockenheit hat nicht nur Nachteile. Vorteile beinhalten eine höhere Traubenqualität, die Beeren bleiben meist kleiner. Da das Verhältnis von Schale zu Fruchtfleisch dadurch höher ist, konzentrieren sich Aromen, Farbstoffe (Phenole) und Tannine. Dies führt zu farbintensiven, extraktreichen Weinen. Pilzkrankheiten können sich weniger ausbreiten. Bei Trockenheit bleibt das Laub trocken, was den Pflanzenschutzaufwand erheblich senkt. Nachteilig ist ein geringerer Ertrag, Gefahr von Trockenstress – Trauben reifen nicht mehr vollständig aus, hoher Zuckergehalt in Verbindung mit weniger Säure.
In der Vinothek informierte der Referent über die Entstehung des Doppelweingutes:
Die Zusammenlegung der Produktionsstätten Finkenauer & Franz im Jahre 2022 erfolgte als Verbindung der Winzer Yvonne Finkenauer aus Bubenheim und Christopher Franz aus Appenheim, bei der beide eigenständigen Weinlinien und -stile erhalten blieben. Das Winzerpaar vereinte seine Betriebe zu einem gemeinsamen Weingut, führt jedoch die jeweiligen Weinlinien im eigenen, unterschiedlichen Stil weiter. Die Linie von Yvonne Finkenauer steht für eine fruchtorientierte Stilistik von den fruchtbareren Böden in Bubenheim, während Christopher Franz kargere, kalkgeprägte und terroirgetriebene Weine aus Appenheim einbringt.
Obwohl Bubenheim und Appenheim nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, könnten die Beschaffenheit der Böden und die daraus entstehenden Weine nicht unterschiedlicher sein.
Appenheims kalkhaltige Böden bringen bekömmliche und sehr mineralische Weine mit fruchtiger Säure hervor. Bubenheim hingegen produziert auf Löss-Lehmböden körperreiche und satte Weine mit fruchtigen Noten.
Der Unterschied zwischen den beiden Winzern wird auch über die farbliche Gestaltung der Flyer und Etiketten dokumentiert:
Die Printmedien von Yvonne Finkenauer werden in Lila, die von Christopher Franz in Grün gehalten.
Im Anschluss einer deftigen Brotzeit mit einem Tischwein Silvaner trocken wurden folgende Weine verkostet:
2025er Gutswein Weißer Burgunder & Chardonnay trocken Weingut Franz
2025er Ortswein Chardonnay Bubenheim trocken mit Holznote Weingut Finkenauer
2025er Ortswein Sauvignon Blanc Bubenheim trocken Weingut Finkenauer
2024er Lagewein Riesling Hundertgulden trocken Weingut Franz
2025er Gutswein Rosé trocken Weingut Finkenauer
2025er Gutswein Cuvée 7 trocken Weingut Finkenauer
2022er Gutswein Cabernet Sauvignon Rotwein trocken Weingut Finkenauer
2024er Gutswein Muskateller
Der Referent informierte die Gäste unterdessen über Wissenswertes vom Weingut.
Dieses ist eingegliedert in der Vereinigung MAXIME HERKUNFT RHEINHESSEN und arbeitet somit nach dem Klassifikationsmodell der Guts-, Orts- und Lagenweine. Dies ermöglicht eine profilierte Darstellung des Weinangebots und wird bei Endverbrauchern und Fachleuten gleichermaßen anerkannt.
Die Mitgliedsbetriebe verpflichten sich auf die Strukturierung ihres Angebots in Guts-, Orts- und Lagenweine. Dieses Klassifikationsmodell hat sich bei vielen rheinhessischen Betrieben etabliert.
Zum Schluss konnte sich Werner Gradinger unter großem Beifall nur noch bei den
Teilnehmenden sowie dem Referenten bedanken und auf die nächsten Veranstaltungen des Weinordens hinweisen.